Warum Ihre Herbstmüdigkeit oft eine andere Ursache hat

Das Wichtigste in Kürze:

  • Herbstmüdigkeit gilt als normal. Hinter anhaltender Erschöpfung stecken aber häufig messbare Ursachen: leere Eisenspeicher, ein sinkender Vitamin-D-Spiegel, zu wenig Vitamin B12 oder eine unerkannte Schilddrüsenunterfunktion.

  • Diese vier Ursachen fühlen sich fast identisch an: müde, antriebslos, unkonzentriert. Ohne Blutwerte lässt sich kaum unterscheiden, welche davon zutrifft.

  • Wer die Ursache kennt, kann gezielt handeln statt zu raten. Der Herbstbeginn ist der ideale Zeitpunkt für einen Blick auf die eigenen Werte.

Es gibt einen Satz, der ab Oktober in fast jedem Büro fällt: „Das ist halt der Herbst."

Jemand gähnt, jemand holt den dritten Kaffee, jemand sagt den Satz, und alle nicken. Die Diagnose ist gestellt, ganz ohne Arzt. Schuld ist die Jahreszeit.

Das Problem an dieser Diagnose: Sie ist bequem, aber oft falsch. Müdigkeit ist keine Jahreszeit. Müdigkeit ist ein Symptom. Und erstaunlich oft ist sie vor allem eines: ein Laborwert, den noch niemand gemessen hat.

Warum der Herbst die perfekte Tarnung ist

Natürlich verändert der Herbst den Körper. Weniger Tageslicht verschiebt den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Stresslevel steigt nach dem Sommer wieder an, und der Kalender füllt sich bis Dezember. Ein gewisses Energietief in der dunklen Jahreszeit ist real und völlig normal.

Genau das macht den Herbst aber zur perfekten Tarnung. Weil gerade alle müde sind, fällt es nicht auf, wenn die eigene Müdigkeit eine andere Qualität hat. Wenn sie nach zwei ruhigen Wochenenden nicht besser wird. Wenn der Kopf schon mittags dichtmacht. Wenn selbst Dinge anstrengend werden, die sonst leichtfallen.

Diese Art von Erschöpfung hat häufig handfeste, messbare Ursachen. Vier davon sind so verbreitet, dass sie bei anhaltender Müdigkeit immer auf die Liste gehören: Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 und die Schilddrüse. Das Tückische daran: Alle vier fühlen sich nahezu gleich an. Von außen und von innen. Unterscheiden lassen sie sich nur im Blut.


Eisen: müde trotz „normaler" Blutwerte

Eisen ist der Klassiker unter den übersehenen Ursachen, besonders bei Frauen. Denn viele denken bei Eisenmangel an Blutarmut. Die Speicher können aber schon lange leer sein, bevor das Blutbild auffällig wird. Der entscheidende Wert dafür heißt Ferritin. Er zeigt an, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind, und genau dieser Wert wird bei einer Standarduntersuchung nicht immer mitbestimmt.

Wie stark leere Speicher auf die Energie drücken, zeigt die Studie „Iron supplementation for unexplained fatigue in non-anaemic women: double blind randomised placebo controlled trial" (Verdon et al., BMJ, 2003).

Untersucht wurden Frauen mit unerklärter Müdigkeit, deren Blutbild unauffällig war. Nach vier Wochen Eisengabe sank die Müdigkeit in der Eisengruppe um 29 Prozent, unter Placebo nur um 13 Prozent.

Der Effekt zeigte sich vor allem bei Frauen mit niedrigen Ferritinwerten. Eine spätere Untersuchung im Fachjournal Blood (Krayenbuehl et al., 2011) kam bei nicht anämischen Frauen mit niedrigem Ferritin zu einem ähnlichen Ergebnis.

Übersetzt heißt das: Man kann sich erschöpft durch den Herbst schleppen, obwohl das kleine Blutbild „in Ordnung" ist. Die Antwort liegt eine Ebene tiefer, in den Speichern.

 
 

Vitamin D: das Sonnenhormon geht in den Sparmodus

Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons, das der Körper mit Hilfe von Sonnenlicht selbst herstellt. Es ist an der Muskelfunktion, am Immunsystem und an der Stimmung beteiligt. Und es ist der Wert mit dem stärksten Jahreszeiten-Effekt überhaupt.

Die Zahlen dazu liefert das Robert Koch-Institut im Fact Sheet „Vitamin-D-Status in Deutschland" (Rabenberg und Mensink, Journal of Health Monitoring, 2016): 30,2 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind mangelhaft mit Vitamin D versorgt, nur knapp 40 Prozent erreichen eine ausreichende Versorgung.

Noch deutlicher ist der Blick auf die Saison. Im Sommer liegen mehr als 60 Prozent der Frauen über der Schwelle einer ausreichenden Versorgung, im Winter sind es nur noch rund 20 Prozent.

Der Oktober ist der Monat, in dem diese Kurve kippt. Die Sonne steht in Deutschland ab jetzt zu tief, damit die Haut nennenswert Vitamin D bilden kann. Der Körper lebt von den Sommerreserven, und die halten je nach Ausgangswert unterschiedlich lange.

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel kann sich unter anderem als Müdigkeit, Antriebslosigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit bemerkbar machen. Genau die Symptome also, die wir dem Herbst zuschreiben.

Vitamin B12: der unterschätzte Zellmotor

Vitamin B12 braucht der Körper, um Energie aus der Nahrung zu gewinnen, Blutzellen zu bilden und Nerven funktionsfähig zu halten. Ein Mangel entwickelt sich schleichend über Monate bis Jahre, und die ersten Anzeichen sind unspezifisch: Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, verminderte Leistungsfähigkeit.

Unterschätzt wird dabei, wie verbreitet eine knappe Versorgung ist. Die Bevölkerungsstudie „Prevalence and Predictors of Subclinical Micronutrient Deficiency in German Older Adults: Results from the Population-Based KORA-Age Study" (Conzade et al., Nutrients, 2017) fand bei gut einem Viertel der untersuchten Erwachsenen über 65 einen zu niedrigen Vitamin-B12-Status. Jüngere sind keineswegs automatisch sicher: Wer sich überwiegend pflanzlich ernährt, wer bestimmte Magen- oder Stoffwechselmedikamente einnimmt oder wessen Darm Nährstoffe schlechter aufnimmt, hat ein erhöhtes Risiko. Wie eng Darmgesundheit und Energie zusammenhängen, haben wir übrigens in der Geschichte unseres Mitglieds Angela beschrieben: Wie Angela über ihren Darm zurück zu ihrer Energie fand.

Wichtig zu wissen: Ein B12-Mangel kann sich bereits bemerkbar machen, wenn der Standardwert im Blut noch im unteren Normbereich liegt. Aussagekräftiger sind erweiterte Marker wie Holotranscobalamin, das sogenannte aktive B12. Auch hier gilt: Wer nur oberflächlich misst, übersieht das Thema leicht.


Schilddrüse: wenn der Thermostat zu niedrig steht

Die Schilddrüse ist der Thermostat des Körpers. Ihre Hormone bestimmen, auf welcher Flamme der Stoffwechsel läuft. Arbeitet sie zu langsam, fährt der ganze Organismus herunter: Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme.

Das ist kein Nischenthema. Die Meta-Analyse „The incidence and prevalence of thyroid dysfunction in Europe: a meta-analysis" (Garmendia Madariaga et al., The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2014) beziffert die Häufigkeit einer Schilddrüsenunterfunktion in Europa auf rund fünf Prozent der Bevölkerung. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, und ein erheblicher Teil der Fälle ist unentdeckt, weil sich die Symptome so leicht mit Stress oder eben der Jahreszeit erklären lassen.

Der Einstieg in die Abklärung ist unkompliziert: ein einzelner Blutwert namens TSH, bei Auffälligkeiten ergänzt um die freien Schilddrüsenhormone. Ob und wie behandelt wird, gehört anschließend in ärztliche Hände. Der erste Schritt ist aber immer derselbe: messen.

Messen statt raten

Vier mögliche Ursachen, ein nahezu identisches Gefühl. Genau deshalb funktioniert Raten bei Müdigkeit so schlecht. Wer auf Verdacht Eisen nimmt, obwohl die Schilddrüse das Thema ist, verliert Monate. Wer Vitamin D auffüllt, während die B12-Speicher leer sind, wundert sich, warum nichts passiert. Longevity-Mediziner wie Peter Attia wiederholen seit Jahren dasselbe Prinzip: erst die Daten, dann die Entscheidung.

Bei U – The Longevity Club ist das der Standardweg. Ein Bluttest zu Herbstbeginn zeigt, wo Ihr Körper wirklich steht: Eisenspeicher, Vitamin D, aktives B12, Schilddrüsenwerte und je nach Fragestellung weitere Marker. Aus den Ergebnissen entsteht ein klares Bild, und daraus eine Strategie, die zu Ihnen passt.

Das kann eine angepasste Ernährung sein, ein gezieltes Supplement, in geeigneten Fällen auch eine Infusion, oder schlicht die Überweisung in die passende ärztliche Abklärung. Wie sich so eine individuelle Empfehlung in der Praxis anfühlt, lesen Sie im Erfahrungsbericht Kate testet: Die Psych-Stabil-Infusion.

Der Herbst muss also nicht das Energieloch sein, für das er gehalten wird. Er ist eher ein guter Anlass, einmal genau hinzuschauen. Denn gegen die dunkle Jahreszeit können Sie wenig tun. Gegen leere Speicher sehr viel.

Möchten Sie wissen, was hinter Ihrer Müdigkeit steckt? In einem persönlichen Erstgespräch besprechen wir Ihre Situation, wählen die passenden Blutwerte aus und entwickeln daraus eine Strategie für Ihren Herbst. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Erstgespräch.

 
 
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